26 August 2018

Botucal Reserva Exclusiva




Mit gewaltiger Verspätung stellen wir euch heute ein Rum vor, der wohl bei jedem früher oder später im Regal landet. Die Rede ist vom „Botucal Reserva Exclusiva“.

Dieser kommt aus dem aktuell wirtschaftlich sehr gebeutelten Land Venezuela, welches eigentlich ein richtiges Rum-Land ist – sowie ein Land von Kaffee, Kakao und Zuckerrohr.
Venezuelas Wirtschaft und Kultur, schon seit ihrer Kolonialzeit stark vom Rum geprägt, birgt die besten Voraussetzungen für Spitzenrum. So ist es nicht verwunderlich, dass Rum eines von nur drei nationalen Gütern geworden ist, welche eine formelle Herkunftsbezeichnung tragen dürfen – und zwar die anerkannte „D.O.C.“. Neben dem Rum darf das „D.O.C.“-Siegel nur von der hochwertigen Kakaosorte Chuao, sowie dem Agaven-Alkohol Cocuy Pecayero – auch bekannt als „Tequila von Venezuela“ – getragen werden.

Nicht nur definiert durch das „D.O.C.“ Siegel, sondern vielmehr aus eigenem Qualitätsanspruch, muss ein Rum in Venzeuela mindestens zwei Jahre reifen, um sich als einen solchen bezeichnen zu dürfen. Alles darunter ist für Venezolaner als einfaches Feuerwasser („Aguardiente“) abgetan. Eine weitere Besonderheit: Einzig in Venezuela ist es nicht gestattet, die Verdunstungsverluste während der Reifung (Angels‘ Share) wieder aufzufüllen.

Als die besten Zuckerrohrbrände Venezuelas gelten die „Diplomático Rum’s“ aus den Unidas-Destillen. Einem von ihnen widmen wir uns heute.
Aufgrund eines Markenrechtsstreits im Jahr 2012 mit dem deutschen Discounter ALDI werden die Rums in Deutschland allerdings unter dem Namen “Botucal” vermarktet; ein Verweis auf das Anbaugebiet des Zuckerrohrs. Der Begriff leitet sich nämlich vom einheimischen Wort „Botuka“ ab, was „grüner Hügel“ bedeutet und eine Hommage an die idyllische Umgebung der Destillerie ist; gelegen am Rande des Nationalpark Terepaima.

Herstellung

Die 1959 von einer kanadischen Gesellschaft gegründeten Licorerias Unidas (heute Destilerías Unidas S.A. – kurz „DUSA“ und seit 2002 in venezolanischer Hand) haben ihren Sitz in der Nähe von La Miel. Die eigentliche Brennerei Hacienda Saruro liegt mit eintausend Metern über Normal-Null ungewöhnlich hoch und besitzt mit ihren ca. 1200 Hektar genau so ungewöhnlich viel Land. Dieses wird, wie hätte man es anders erwarten können, als Zuckerrohrplantage verwendet. Die produzierten Süßgräser reichen jedoch bei weitem nicht für den Bedarf der Destillerie. Bemerkenswert ist, dass bei sämtlicher zugekauften Melasse auf Rohstoffe aus ausschließlich ökologischer Landwirtschaft gesetzt wird.

Die Melasse stammt aus fünf umliegenden Zuckerrohrfabriken, wovon drei in weniger als 80 km Entfernung 80% der gesamten Melasse liefern. Die zwölf Hektar große Produktionsanlage der DUSA besitzt acht unterirdische Betonkeller, die bis zu 50.000 Tonnen Melasse mit einem Zuckeranteil von 48% – 52% lagern, um eine ganzjährige Produktion zu gewährleisten.

Zur Herstellung der „Diplomático Rum’s“ werden fermentierte Melasse sowie Zuckerrohrhonig mit 60% Zucker verwendet. Eine echte Besonderheit, ist die Produktion doch gänzlich unrentabel. Die Herstellung von Zuckerrohrhonig kann in Venezuela nur stattfinden, weil die Zuckerinndustrie stark subventioniert wird. Wir hoffen, dass es so bleibt, denn anders als aus Melasse, deren Verwendung eher leichte und unkomplizierte Destillate entstehen lässt, sind zuckerrohrhonigbasierte Produkte eher schwer und süßlich.

Die DUSA Destillen lassen die Maische bei 32°C fermentieren. Abhängig von der verwendeten Still wird die Fermentationsdauer bemessen. Gebrannt wird in vier Column Stills und drei Pot Stills als sogenannte „batch still production“. Eine durchaus eigentümliche Kombination. Wenngleich eine aus Kanada stammende „Batch Kettle“ das Bild abrundet. Die Mischung aus dem verschiedenen Stills macht die „Diplomático Rum’s“, zusammen mit den besonderen Rohstoffen, zu etwas besonderem.

Gelagert wird der Rum zunächst in ehemaligen getoasteten Bourbon-Fässern und zieht dann für das Finish entweder in Sherry- oder in Brandy-Fässer um. Dies ist und bleibt allerdings ein kleines Geheimnis. Auch bei der Lagerung geht die DUSA Destille einen anderen Weg, denn die Fässer werden in der Horizontalen gelagert. Dies sorgt für eine bessere Luftzirkulation im Fass, des Weiteren erleichtert es die Sichtkontrolle ungemein. Die schweren Rums aus Zuckerrohrhonig werde dabei in Bodennähe gelagert, um die Reifezeit zu verlängern, um trotz des hohen Zuckeranteils im Brand die gewünschten Aromen zu erhalten.

Durch die extrem hohe Lage der Warehouses kommen die produzierten Spirtuosen in den Genuss eines wechselwarmen Klimas, welches sich durch warme Tage und kalte Nächte auszeichnet; Diese bieten dem Rum optimale Lagerbedingungen und sind somit mitverantwortlich für die schnelle Reifung und den besonderen Geschmack. Ein weiteres Plus; dies begünstigt auch das Wachstum des Zuckerrohrs, welches durch seine hohe Saccharose-Konzentration einen der süßesten Säfte des Kontinents innehält.

Wie sich aus unserer Beschreibung wohl schon erahnen lässt, handelt es sich beim „Botucal Reserva Exclusiva“ um einen Blend. Dieser besteht zu 80% aus einer zweifachen Pot-Still-Destillation. Der große Anteil dieser wiederum erklärt die Schwere und Süße des „Botucal Reserva Exclusiva“. Die restlichen 20% des Blend bestehen aus verschieden Column Still Bränden mit ebenso unterschiedlicher Reifendauern. Um die Farbe des Produkts im Handel immer gleich zu halten, wird je nach Bedarf Zuckerkulör E150a hinzugegeben.

„Der Tradition verpflichtet”

Traditionell weich und ausgesprochen aromatisch sind die Diplomático-Rums, die Ende des 18. Jahrhunderts von Juancho Nieto Meléndez in einem selbst entwickelten Verfahren neue Maßstäbe zu setzen begannen – das entstandene Meléndez-Verfahren wird noch heute angewendet.

Der Botucal Reserva Exclusiva wird seit 2004 mit einem Alkohol-Volumenprozent von 40% vertrieben.

Aussehen

Die dunkelgrüne, eher stumpfe Flasche aus satiniertem Glas erweckt mit ihrem altgediegenen Etikett mit Stempel und Portrait direkt den Eindruck eines Importstücks.
Auch ist „Botucal Reserva Exclusiva“ mit einer Geschenk-Umverpackung zu bekommen, welche sich im Regal unseres Erachtens besser macht als die bloße Flasche.

Im Glas zeigt sich der „Botucal Reserva Exclusiva“ in einem warmen und dunkle Bernsteinton, welcher nicht zuletzt wohl auch dem Farbstoff geschuldet ist. Die Farbe macht jedoch Lust auf einen behaglichen ruhigen Abend mit einem Rum.

Geruch und Geschmack


Flasche Nr. I – Charge #1921

An der Flasche muss der Rum geruchlich erst “hervorgelockt” werden, denn er scheint sich am Boden der Flasche zu halten. Wenn man ihn dann erhascht, lässt der Rum angenehmen Honig erkennen, und auch etwas malziges. Im Gegensatz zu anderen Rums verfliegt der Geruch nicht sofort, er sinkt eher wieder zurück in die Flasche, bleibt aber auch gut in der Nase.

Am Glas weichen die Duftnoten nicht mehr so schnell aus; eine etwas süßlichere Wiederholung ist der Fall, gepaart mit Vanille- und frischem Blütenduft, wobei der Geruch die Nase nun mehr umschließen kann. Hinzu kommt etwas Schärfe, die dann aber durch das Hervortreten eines sehr leichten Röstaromas, einer feinen Eichennote und insgesamt mehr Frische langsam wieder abklingt.

Der anfängliche Geschmack an der Zungenspitze ist sehr fein; beinahe schon “niedlich”, möchte man sagen. Hier tritt stark das Holz hervor, jedoch in einer sehr dezenten Variation, die sich äußerst angenehm in den Mund legt.
Beim vorsichtigen Probieren mit den Lippen verlässt die Schärfe den Rum schnell und eröffnet dem Probierenden ein voluminöses Boquet an Honig.

Nimmt man einen richtigen Schluck, tritt die Schärfe wieder verstärkt hervor und schwingt bis zum Abgang permanent im Rachen mit. Der Rum verteilt sich nicht sofort gleichmäßig im Mundraum, sondern hinterlässt teilweise ein starkes Frischegefühl, welches doch eine ungewöhnliche Dominanz hat, und schon fast an Wässrigkeit erinnert. Am Rande sind die bereits genannten Noten auch nur bedingt wiedererkennbar; zentraler ist hier ein starker Holzgeschmack.

Genießt man diesen Rum mit ein paar Tropfen Wasser, vernimmt man bereits mit der Nase am Glas einen erfüllenden Honig- und Balsamduft, begleitet von einem leichten Geruch von Baumharz. Geschmacklich verwandelt sich der Rum beinahe in einen süßen Likör, denn die Schärfe verschwindet nahezu gänzlich. Was zurückbleibt, ist eine süße Wonne.

Es bleibt insgesamt der Verdacht, man hätte sich an einem Eichenfass mit Honig gütlich getan.

Fazit Nr. I

Der Rum bietet viel Wärme im Geruch und Geschmack und vermittelt ein köstliches Schlemmer-Boquet, welches fast schon begleitend genossen werden kann. Möchte man den „Botucal Reserva Exclusiva“ charakterisieren ist er unkompliziert, freundlich und etwas schüchtern – aber stets zuverlässig.

In diesem Hinblick ist es nun interessant, dass unsere zweite Flasche doch ganz überraschend anders ist.

Flasche Nr. II – Charge #8049

Die Abfüllung aus dem Jahre 2015 fällt nun im Gegensatz zur Charge #1921 (Jahr unbekannt) gänzlich anders aus – um nicht zu sagen, etwas enttäuschend. Wir erwarten von einem Blend, dass das Produkt möglichst gleich schmeckt, trotz vieler Faktoren wie dem Reifeprozess oder dem verwendeten Fass kann durch das Blending sichergestellt werden, das der Kunde am Ende der Produktion das erwartete Produkt erhält. So finden wir es ein wenig verwunderlich, dass dies beim „Botucal Reserva Exclusiva“ nicht ganz der Fall war. Wenngleich uns beide Produkte geschmeckt haben, waren wir beim Tasting doch sehr überrascht. Vielleicht wurde unsere zweite Flasche „Botucal Reserva Exclusiva“ von einem anderen Master-Blender mitgemischt, erfahren werden wir es wohl nicht.

Die Flasche bietet geruchstechnisch ein zunächst ähnliches Erlebnis wie unsere Nr. I. Doch bei diesem Probieren tritt die Schärfe viel vordergründiger auf den Plan und kommt bereits bei einem intensiverem Atemzug aus dem Flaschenhals hervor. Auch, wenn sich der Rum wieder am Flaschenboden zu verstecken scheint, können bereits hier feine Noten von Vanille, Honig, Röstaroma und Fassholz vernommen werden.

Am Glas preist sich der Rum mit einem herberen Auftreten als bisher erwartet. Er verhält sich flüchtiger, und die genannten Aromen halten sich bedeckt. Dabei ist statt Honig eine leichte Kirschennote aufgetaucht, die das Boquet schon eher neutralisiert.

Gönnt man sich einen feinen Schluck, ist dieser Rum erstaunlich mild auf den Lippen. Das Holz tritt intensiver hervor und hinterlässt ein angenehmes, leicht süßliches Frischegefühl. Im vorderen Mundraum bekommt man bereits mehr Süße, aber auch Schärfe zu spüren, die den süßen Holzgeschmack, der sich etwas unstet beimischt, begleitet.

Vollmundig tritt dieser Rum auf, denn er bleibt seiner Komposition vom Anfang bis zum Ende gleichbleibend treu. Dabei ist die Süße eher unterschwellig zu vernehmen, herbes Holz und Kirsche sind dominanter und füllen den Mundraum langanhaltend aus. Der Abgang ist geschmacklich angenehm, wird allerdings mit kurz auftretender Schärfe garniert.

Gibt man etwas Wasser hinzu, entfalten sich die Aromen in deutlich abgemilderter Form. Anstelle des wie bei Nr. 1 aufgetretenen intensiven Honigaromas gibt es hier einen beständigen Geruch von frischem Holz, der an Waldspaziergänge erinnert.
Geschmacklich kann der Rum schnell zu verwässert wirken. Allerdings erlebt man eine neue Schicht an Aromen, die hierbei hervortreten. So stehen Beeren auf dem Speiseplan, starke Vanille, und ein leicht sahnig-caramelliger Touch.

Fazit Nr. II

Im Fazit finden wir den zweiten Rum keineswegs schlechter als den ersten. Sein Boquet ist nur anders gelagert, und wir waren überrascht. Unser Botucal Reserva Exclusiva Nr. 2 präsentiert sich hartnäckig mit einer Komposition aus herbem Holz und einer milden Form von Süße, die sehr angenehm im Mund verbleibt. Währenddessen fühlt sich die Nr. 1 im deutlich süßeren Rahmen zuhause und sagt uns persönlich mehr zu.

Gesamtfazit

Im Vergleich weisen beide viel Eichenholz-Aroma auf und geben sich eigenwillig, aber in den Grundzügen ähnlich, was ihrer selben Herkunft zu verdanken ist.

Süße:
Frucht:
Würze:
Milde:

Empfehlung

Zu Empfehlen ist folgendes: Einfach kaufen und genießen.

Weiterführendes

Botucal Reserva Exclusiva gibt es mittlerweile in jedem guten Supermarkt zu kaufen. Auch im Web leicht zu finden und gut bewertet ist der Rum beispielsweise im Amazon-Shop, wobei auch das Preisniveau sehr stimmig ist. Beim diesem Link handelt sich um eine Affiliate-Verlinkung.

Weitere Informationen über „Botucal Reserva Exclusiva“ sind auf botucalrum.com/de zu finden.